Europäischer Freiwilligendienst

Informationen für Aufnahmeorganisationen in Deutschland


Einführende Informationen
Programmländer
Allgemeines
Art der Arbeit
Die Freiwilligen
Unterkunft und Verpflegung
Sprachkenntnisse
Die europäische Dimension
Weitere Informationen

 

Einführende Informationen

Der Europäische Freiwilligendienst (European Voluntary Service) ist ein Programm der Europäischen Kommission für Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren. Sie können damit zwölf Monate in einem der Programmländer (neben Deutschland alle Länder der EU, der EFTA und assoziierte Länder, siehe auch unten) leben und dort in einer gemeinnützigen Einrichtung arbeiten. Nicht als Arbeitnehmer, Zivildienstleistender oder Praktikant, sondern als europäischer Freiwilliger. Dafür bekommen sie ein Taschengeld, freie Unterkunft und Verpflegung. Auch die Fahrtkosten vom Heimatland in das Projekt werden bezahlt. Die jungen Freiwilligen bekommen eine Kranken-, Unfall- und Lebensversicherung.

Beim Europäischen Freiwilligendienst stehen die Idee des sozialen Engagements und der Austausch der Kulturen im Vordergrund. Das Programm ist kein Ersatz für den Wehr- oder Zivildienst (hierfür besteht das Programm "Anderer Dienst im Ausland") und die Freiwilligen dürfen in der Einrichtung keinen Arbeitsplatz ersetzen.

VIA e.V. entsendet seit Beginn des Programms 1997 deutsche Jugendliche ins Ausland. Seit 1998 nehmen wir auch Jugendliche aus den verschiedenen Programmländern auf und vermitteln sie in soziale Einrichtungen im gesamten Bundesgebiet. Während des Aufenthaltes betreuen wir die Jugendlichen und die Einrichtungen und stehen bei organisatorischen oder anderen Problemen mit Rat und Tat zur Seite.

 

Programmländer

EU-Mitgliedsländer:
Belgien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Tschechische Republik, Ungarn, Zypern

EFTA-Länder:
Island, Liechtenstein, Norwegen

Assoziierte Länder:
Bulgarien, Rumänien, Türkei

 

Allgemeines

Gemeinnützige Einrichtungen können sich am Europäischen Freiwilligendienst beteiligen, indem sie Jugendliche zwischen 18 und 25 Jahren bei sich aufnehmen. Die Freiwilligen arbeiten in einem Bereich, für den sie keine Vorkenntnisse benötigen. Die durchschnittliche Wochenarbeitszeit beträgt 38,5 Stunden. Dafür bekommen die Freiwilligen 105,- Euro Taschengeld von der Europäischen Kommission, die wir auszahlen. Außerdem sind sie kranken-, unfall- und haftpflichtversichert. Sie müssen zusätzlich bei der Berufsgenossenschaft versichert werden. Auch ein Sprachkurs wird von der Europäischen Kommission bezahlt.

 

Art der Arbeit

Europäische Freiwillige sollen eine zusätzliche Bereicherung für Ihre Einrichtung und Ihre Klienten sein. Die Jugendlichen können mit den alten Leuten spazieren gehen oder ihnen etwas vorlesen, mit Kindern spielen und Behinderte im Alltag oder bei der Arbeit in der Werkstatt unterstützen. Je nach Einrichtung ist die Arbeit der Freiwilligen verschieden, und auch mit jedem Freiwilligen kann sich die Art der Aktivität wieder ändern. Einige Freiwillige haben eigene Ideen für Projekte, andere wollen lieber angeleitet werden.

Die Freiwilligen sind nicht als Ersatz für ausgebildete Arbeitskräfte zu verstehen, und sie sind auch noch mal anders einzusetzen als Praktikanten oder Zivildienstleistende. Freiwillige kommen aus einer anderen Kultur und sprechen die deutsche Sprache manchmal noch gar nicht, zumindest aber nicht perfekt. Auch ist es nicht sicher, dass sie später im sozialen Bereich arbeiten wollen, wie es bei Praktikanten normalerweise der Fall ist.

Schön ist es, wenn Sie die andere Kultur des Freiwilligen in seine Aktivitäten einbinden können; so zum Beispiel mit einem Filmabend, einem Essen oder einer Fotoausstellung.

 

Die Freiwilligen

Die Jugendlichen sind zwischen 18 und 25 Jahre alt. Einige sprechen sehr gut Deutsch, andere haben noch gar keine Kenntnisse. Wir haben mit beiden gute Erfahrungen gemacht. Auch die Vorerfahrungen im sozialen Bereich sind sehr unterschiedlich. Allen ist aber gemeinsam, dass sie sich in dem Bereich engagieren wollen.

 

Unterkunft und Verpflegung

Für die Unterkunft und die Verpflegung der Freiwilligen sind die Einrichtungen verantwortlich. Die Freiwilligen sollen in einem Einzelzimmer wohnen. Das kann mit anderen Freiwilligen zusammen in einer Wohnung sein, in einem Einzelapartment oder in einem Zimmer mit gemeinsamer Nutzung der Nasszellen und der Küche. Die Verpflegung kann über die Einrichtung, also mit den Kollegen zusammen, erfolgen. Es kann aber auch Essengeld ausgezahlt werden. An freien Tagen sollte Essengeld ausgezahlt werden, damit die Freiwilligen nicht zu bestimmten Uhrzeiten in die Einrichtung kommen müssen.

 

Sprachkenntnisse

Viele der jungen Freiwilligen haben zumindest Grundkenntnisse der deutschen Sprache. Da es sich aber um ein europäisches Programm handelt, kann man keine perfekten Kenntnisse erwarten. Die Idee des Programms ist ja unter anderem auch, dass die Jugendlichen die Sprache des anderen Landes lernen. Übrigens haben wir auch schon sehr gute Erfahrungen mit Jugendlichen gemacht, die zu Beginn gar keine oder nur sehr geringe Kenntnisse der deutschen Sprache hatten. Erfahrungsgemäß ist die Motivation und der persönliche Einsatz der Freiwilligen für das Gelingen des Projektes wichtiger als die Sprachkenntnisse. Nichtsdestotrotz sollten diejenigen Jugendlichen mit wenig oder gar keinen Deutschkenntnisse von Beginn an einen intensiven Sprachkurs besuchen, der auch von der Europäischen Kommission bezahlt wird.

 

Die europäische Dimension

Dieser Freiwilligendienst ist ein europäisches Programm, bei dem der Austausch der Kulturen und das soziale Engagement im Vordergrund stehen. Das Leben und Arbeiten in einem fremden Land bedeuten sowohl für die Freiwilligen als auch für die Einrichtungen eine besondere Herausforderung, aber auch eine besondere Erfahrung.

Der zunächst auffälligste Unterschied zu den Kollegen sind meistens die Sprachkenntnisse. Es kann nicht erwartet werden, dass die Freiwilligen sehr gut oder gar perfekt Deutsch sprechen. Das Lernen der Sprache gehört zu dem Programm wie der freiwillige Einsatz der Jugendlichen. Nach unserer Erfahrung sind aber die Sprachkenntnisse nicht entscheidend dafür, ob ein Projekt gelingt oder nicht. Die Freiwilligen und Sie werden sehr erfinderisch werden beim Einsatz der verschiedenen Kommunikationsformen und merken, dass man sich auch ohne Sprache gut verständigen kann!

Ein meist weniger beachteter (weil zunächst unauffälliger), aber auch sehr wichtiger Unterschied ist der kulturelle. Das Schwierige hierbei ist, dass diese Unterschiede oft nicht sichtbar sind und nicht oder erst sehr spät thematisiert werden. Aber gerade dieser Austausch ist sehr spannend und für das Gelingen des Projektes unbedingt notwendig. Sonst kommt es zu ungewollten Missverständnissen und in der Folge zu Konflikten, die nicht aufgetreten wären, wenn man die kulturellen Erwartungen zeitig angesprochen hätte. Schon Kleinigkeiten wie geschlossene Türen, direkte Fragen oder Kritik, die wir für uns als normal ansehen, können von den Freiwilligen als ablehnend oder unhöflich verstanden werden. Die Auseinandersetzung damit ist aber nicht nur anstrengend, sondern eine Bereicherung, weil man seine Kultur mal mit anderen Augen sieht.

 

Weitere Informationen

Wenn Sie im Rahmen des Europäischen Freiwilligendienstes einen oder mehrere Freiwillige aufnehmen möchten, dann nehmen Sie bitte Kontakt mit uns auf. Wir werden Ihre Einrichtung auch gerne besuchen. Dann können wir für Sie einen Antrag bei der Europäischen Kommission stellen. Bis über den Antrag entschieden ist, kann es erfahrungsgemäß einige Monate dauern.

Weiterführende Fragen können Sie richten an

VIA e. V.
Mirka Schulz – Programmleitung EVS Deutschland
Bardowicker Str. 4
21335 Lüneburg
Postanschrift: VIA e. V., Postfach 29 28, 21319 Lüneburg
Tel. (0 41 31) 680 33 09
Fax (0 41 31) 680 33 21
E-Mail: mirka.schulz@via-ev.org